Das ABC der Kinderphysiotherapie

Heute starte ich mit einer Beitragsreihe, um dir damit wieder ein bisschen Einblick in meine Arbeit zu geben und was mir dabei wichtig ist.

A wie Abfolge (der Entwicklungsschritte)

Wirklich wichtig bei den Entwicklungsschritten im ersten Lebensjahr ist die Reihenfolge und Qualität der einzelnen Entwicklungsschritte, nicht der Lebensmonat, in dem sie erstmals stattfinden.

 

Das ist deshalb so wichtig, weil die Schritte aufeinander aufbauen – der eine bildet die Grundlage für den nächsten. So muss dein Baby z. B. erst in den Vierfüßlerstand oder die Gartenzwergposition kommen, um sich selber hinsetzen zu können.

Alles, was dein Baby alleine und von sich aus macht, ist gut, elterliche Eingriffe hingegen mindern die Qualität. Wenn dein Baby sich schnell entwickelt, bedeutet das nicht automatisch, dass es sich gut und richtig entwickelt. Qualität geht immer vor.

 

Wenn ihr mehr Infos zum Thema Entwicklung im ersten Lebensjahr sucht, dann findet ihr die in meinem Blogartikel: "Babys erstes Jahr - immer schön der Reihe nach"

B wie barfuß

C wie Chancen (in der Kinderphysiotherapie)

🍀 Prävention von Haltungsschäden in Form von Vorträgen oder Elternberatung
🍀 Aufklärung über schädigende Babygeräte (z. B. Gehfrei, Wippe oder Spielebogen)
🍀 frühzeitige Behandlung von Auffälligkeiten bei Babys (z. B. Vorzugshaltungen bei Babys, Schreibabys oder Babys mit Schlafstörungen)
🍀 frühzeitige Behandlung von Haltungsproblemen (z. B. bei Skoliose)
🍀 Entlastung der Eltern im Alltag (z. B. bei "hyperaktiven" Kinder oder Kindern, die sich sehr schlecht konzentrieren können)
🍀 Behandlung von Kindern mit neurologischen Auffälligkeiten, um ihnen einen guten Start ins Leben und eine bestmögliche Selbstständigkeit im Alltag zu ermöglichen
🍀 Steigerung der Lebensqualität

D - wie Dehnen (nach Schroth)

Über die Sinnhaftigkeit von Dehnen gibt es ja verschiedene Meinungen.

 

Ich spreche heute von den Dehnlagerungen, die im Zusammenhang mit der Schroth-Therapie zum Einsatz kommen.
Mit der Schroth-Therapie behandelt man skoliotischen Fehlhaltungen der Wirbelsäule. Sehr viele Kinder haben diese Fehlhaltung der Wirbelsäule, die meist bei einer Schuluntersuchung entdeckt wird. Je nachdem, wie weit die skoliotische Fehlhaltung schon fortgeschritten ist, ist eine frühzeitige Behandlung sinnvoll, um Spätfolgen und Verschlechterungen zu vermeiden.
Neben den klassischen Übungen gibt es eben auch die Dehnlagerungen, bei denen meist Hilfsmittel zur Anwendung kommen.
Die Kinder empfinden das oft als sehr entspannend und machen es auch gern zu Hause 😉

E wie Einfühlungsvermögen

Einfühlungsvermögen ist der allgemeinsprachliche Begriff für Empathie. Und empathisch zu sein bedeutet, dass man fähig und bereit ist, sich in die Lage seines Gegenübers hineinzuversetzen und die Gefühle des anderen wahrzunehmen.

Die Basis für die Empathie eines Menschen ist dessen Selbstwahrnehmung. Wenn man sich selbst kennt, erkennt man auch die innere Verfassung anderer Menschen.

Mit Bewegung und Körperarbeit lernt man sich und seinen Körper besser wahrzunehmen und somit zukünftig auch besser im Außen zu agieren und reagieren.

 

In der Kinderpsychologie wird davon ausgegangen, dass Kinder erst mit ca. 2 Jahren eine bewusste Empathie entwickeln – das geht meist einher mit der Selbsterkennung im Spiegel.

Ich persönlich denke, dass das auch schon früher möglich ist, denn auch Babys und Kleinkinder reagieren schon sehr sensibel auf verschiedene Stimmungen in ihrer Umgebung.

Ich erkenne auch immer wieder, wie wichtig es ist empathisch und aufmerksam zu sein, denn nur so ist eine gute und nachhaltige Behandlung möglich. Alle Beteiligten sollen sich wohlfühlen.

 

„Empathie bedeutet:

mit den Augen des Anderen zu sehen.

mit den Ohren des Anderen zu hören.

mit dem Herzen des Anderen zu fühlen.“

(unbekannt)

F wie Füße

Dafür, dass uns unsere Füße durchs Leben tragen, schenken wir ihnen oft viel zu wenig Aufmerksamkeit.

Dieses Konstrukt aus 26 Knochen (immerhin ein Viertel der Knochen des menschlichen Körpers) ist über 33 Gelenke miteinander verbunden, wird von 20 Muskeln und 114 Bändern stabilisiert und in Bewegung gehalten. Der Fuß bildet die Basis für unsere Haltung und Aufrichtung.

Oft wundern sich die Eltern, warum ich an den Füßen ihrer Kinder arbeite, obwohl die Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen haben.

Die Füße hängen eng mit den Hüften zusammen und Dysbalancen und Bewegungseinschränkungen in beiden Bereichen haben weitreichende Auswirkungen: deshalb sind für mich die Hüften ein wichtiger Faktor bei der Befunderhebung – vor allem auch bei Fußfehlstellungen.
Mögliche Fußfehlbildungen im Säuglingsalter sind der Sichelfuß, Klumpfuß oder der Plattfuß. Um einen echten von einem entwicklungsbedingten Plattfuß zu unterscheiden, braucht man das Kind nur auf die Zehenspitzen stellen zu lassen – bei einem gesunden Fuß sollte man dann das Fußgewölbe sehen können.

Hast du gewusst, dass man einen Fuß bei dem die zweite Zehe größer ist als die Großzehe als griechischen 🇬🇷 Fuß bezeichnet? 😝

🌟Tipp:
Wenn du den Füßen deiner Kinder Gutes tun willst, dann lass sie viel barfuß gehen oder ziehe ihnen Schuhe an, die dem Barfußgehen sehr nahekommen.

G wie Geburtstrauma

Ich höre in meiner Arbeit mit den Kindern oft abenteuerliche Geburtsgeschichten: angefangen von sehr rasanten Geburten über Saugglocken- oder Zangengeburten bis hin zum Notkaiserschnitt, weil z.B. die Nabelschnur um den Hals des Babys gewickelt war. Man kann jetzt darüber diskutieren, ob Hilfsmittel, wie z.B. die Saugglocke oft zu schnell eingesetzt werden, auch wenn sie vielleicht gar nicht unbedingt nötig wären. Aber jede Mama ist wahrscheinlich froh, wenn das Baby gesund zur Welt kommt – was auch immer es dafür braucht.

 

🌟Es geht mir auch mehr darum aufzuzeigen, dass ich es sehr wichtig finde, ein Baby nach einer schweren Geburt mal von einer Kindertherapeutin anschauen zu lassen. Vor allem, wenn sich Anpassungsschwierigkeiten zeigen, wie z.B. übermäßiges Schreien, schlechtes Einschlafen, Überempfindlichkeiten oder extreme Überstreckung des Kopfes oder des ganzen Körpers.

 

Als Geburtstrauma bezeichnet man sowohl physische als auch psychische Beeinträchtigungen des Babys, die in Folge des Geburtsvorgangs auftreten. Dabei gibt es eben die offensichtlichen Ursachen in Form von Saugglocke, Geburtszange, Beckenendlage oder Notkaiserschnitt und es gibt nicht-so offensichtliche Gründe wie eine überstürzte Geburt, eine sehr lange Geburt oder Geburtseinleitung.

 

Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen gemacht, wenn die Mamas mit ihren Babys frühzeitig zu mir kommen. Oft braucht es nur ein/ zwei Behandlungen und ein paar hilfreiche Tipps für zu Hause, um besser auf das Baby und seine individuellen Bedürfnisse eingehen zu können.
Es kommen aber auch oft Mamas zu mir, die schon lange leiden, z.B. unter den Einschlafproblemen ihrer Kinder. Und auch ihnen kann geholfen werden! Es ist nie zu spät für ein entspanntes Kind-sein 😉

H wie Hyperaktivität

Hyperaktivität ist eine starke körperliche Unruhe und gilt als ein Kernsymptom von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Hyperaktivitätssyndrom). Es zeigt sich ein übersteigerter Bewegungsdrang, und das still sitzen fällt den betroffenen Kindern extrem schwer.
ADHS ist eine klinische Diagnose, ABER es gibt nach wie vor keinen verlässlichen ADHS-Test. Oft zeigen sich auch TICs, Zwangsstörungen, Schlafstörungen, Selbstwertstörungen, Angststörungen, Teilleistungsschwäche und/ oder eine Störung des Sozialverhaltens. Jungs sind weit häufiger betroffen als Mädchen, obwohl es da sicher eine Dunkelziffer gibt, da bei Mädchen oft die Hyperaktivität nicht so ausgeprägt ist.
Einzelne ADHS-Symptome & Eigenschaften stellen noch keine Krankheitszeichen dar. Für eine Diagnose ist es maßgeblich, ob es zu einer einschneidenden Einschränkung der Lebensqualität und der Teilhabe am öffentlichen Leben in mindestens 2 Bereichen (Schule, Familie, Kindergarten, Beruf) kommt.

 

➡️Schon im Jahre 1845 beschrieb der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann im Struwelpeter einige ADHS-Verhaltensweisen (Zappel-Philipp, Hand-guck-in-die-Luft). Er sah es jedoch als Erziehungsproblem und nicht als psychische Störung.

 

👧🧒Ich habe sehr oft Kinder in meiner Praxis die, neben der Hyperaktivität, einige der oben genannten Störungen zeigen. Auffällig ist dabei, dass alle Kinder eine schlechte Haltung, also eine Haltungsschwäche zeigen, und es für sie schon eine große Herausforderung ist, nur aufrecht zu sitzen. Wie soll das Kind entspannt die Hausaufgaben machen, wenn es nur mit dem Sitzenbleiben beschäftigt ist.
An diesen Defiziten in der Grobmotorik kann man in der Physiotherapie sehr gut arbeiten und in der Kombination mit Entspannungstechniken (um auch mal zur Ruhe zu kommen) und Übungen für die Verbesserung der Körperwahrnehmung (wenn das Kind sich gut spürt, dann kann es sich auch besser bewegen) habe ich schon gute Erfolge mit den Kindern gehabt. Für die Eltern bringt das meist eine große Erleichterung, vor allem auch, weil sie feststellen, dass alles miteinander zusammenhängt und man nicht ganz hilflos ist.

Ich mag die Arbeit mit den Kindern sehr gern, denn sie zeigen eine große Vielfalt und somit viele Möglichkeiten, bei denen ich ansetzen kann. ❤️🧡💛💚💙💜🤎

I wie Inklusion

Inklusion beschreibt, wie wir als Mitglied in unserer Gesellschaft leben möchten: in einem Miteinander, wobei keine Person ausgeschlossen wird.
Jeder Mensch ist hier ein anerkannter Teil dieser Gesellschaft.
Unabhängig von der Herkunft, Behinderung, sexueller Orientierung oder Lebensalter. Alle Menschen sind verschieden und einer kann vom anderen nur lernen. Die Gesellschaft profitiert vor allem von der Vielfalt jeden Einzelnen. ❤️🧡💛💚💙💜🤎🖤🤍

Bei der Inklusion geht es auch darum, dass alle Menschen in einer Gesellschaft gleichberechtigt nebeneinander leben können.
Menschen mit Behinderungen sollen genauso dazugehören, teilhaben und selbst bestimmen können – von Geburt an und in allen Lebensbereichen wie Bildung, Arbeit, Wohnen und Freizeit.
Inklusion ist ein Menschenrecht und als solches in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen geregelt.

 

🌟Für mich ist es immer wieder traurig anzuschauen, dass zwar die Therapien im Kindesalter bezahlt werden und ich in der Therapie dann gemeinsam mit den Eltern versuche, dem Kind so viel Selbstständigkeit wie nur möglich beizubringen, es aber später keine ausreichenden Möglichkeiten gibt, selbstbestimmt zu leben oder zu arbeiten. In diesem Bereich kommt es immer wieder zu finanziellen Kürzungen vonseiten des Staates. Da haben wir großen Nachholbedarf!

J wie jonglieren

Es war gar nicht so leicht bei J etwas zu finden 😉 die liebe Aylin hatte dann die tolle Idee und ich hab es gleich für mich selber ausprobiert. Meinen ersten Selbstversuch seht ihr hier 😉 ich werde wohl noch ein bisschen üben... 😂 aber es auf jeden Fall auch mal mit den Kindern in der Therapie ausprobieren.

 

Jonglieren kann man angeblich unter der richtigen Anleitung innerhalb weniger Minuten erlernen. Auch bei nicht so Begabten dauert es meist nur wenige Stunden bis das Jonglieren mit 3 Bällen funktioniert. Aber da heißt es dranbleiben 😊 beide Gehirnhälften müssen zusammenarbeiten – das fördert die Wahrnehmung.

In einem Stern-Artikel wird das Jonglieren bei müden und abgespannten Büroarbeitern empfohlen, um die Konzentrationsfähigkeit zu steigern. Es fördert die Koordination und Geschicklichkeit. Zugleich entspannt das Jonglieren, da durch die Bewegung Stresshormone abgebaut werden.
Und das Tolle ist, dass man überall jonglieren kann – egal ob Zuhause, am Arbeitsplatz oder draußen in der Natur.

 

Na bei wem von euch arbeiten die Gehirnhälften schon jetzt optimal zusammen?

K wie Konzentrationsschwierigkeiten

Sich konzentrieren bedeutet, dass ein Kind seine Aufmerksamkeit gezielt auf eine bestimmte Aufgabe, Handlung oder Person richtet. Konzentration ist somit eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches Lernen.

Wenn man „Konzentrationsschwierigkeiten“ bei Google eingibt, dann tauchen als erstes Anzeigen von Vitaminen auf.
Unter den Anzeigen steht gleich ein Beitrag von den Kinderärzten im Netz und dabei geht es darum, dass Konzentrationsstörungen häufig auch körperliche Ursachen haben können, wie z.B. Bewegungsmangel. Andere mögliche Ursachen sind Überlastung in der Schule oder in der Familie, Schlafmangel, Stress oder emotionale Unausgeglichenheit.

🌟Ich habe in der Praxis sehr viele Kinder, bei denen u.a. das sich nicht konzentrieren können ein Problem ist. Mir fällt dabei auf, dass viele dieser Kinder eine unzureichende Muskelspannung (vor allem im Rumpf) haben, um sich und ihren Körper überhaupt aufrecht zu halten. Sie sind also permanent damit beschäftigt, nicht umzufallen, sodass sie sich nur sehr schwer auf die zu erledigenden Aufgaben konzentrieren können. Ich habe darüber schon einige Blogartikel von Kindern aus meiner Praxis geschrieben.

✍️Außerdem ist jedes Kind ganz individuell, beim Lernen und nimmt Dinge unterschiedlich auf. Für einen ist das Erfassen eher visuell 👀, für die nächste eher abstrakt und ein anderes Kind konzentriert sich am allerbesten, wenn es dabei Musik hören kann👂. So kann man bei jedem Kind den offensten Kanal finden – also den Weg, wie es am leichtesten Neues lernt. Für diese Unterschiede sind die verschiedenen Zuständigkeitsbereiche der linken und rechten Hirnhälfte 🧠verantwortlich. In der linken Hirnhälfte finden sich die logischen, rationalen und analytischen Denkvorgänge statt. Zahlen, Sprachen, Formeln usw. werden in dieser Hemisphäre gespeichert. Im Gegensatz dazu ist die rechte Hirnhälfte die bildhafte, kreative, künstlerische und spontane Hälfte – also die Gefühls-orientierte.

🌞🌝🌚🌙Neben dem hat auch jedes Kind eigene Tageszeiten, an denen es besonders leistungsstark ist. Außerdem sollte der Lernort ruhig und ohne viel Ablenkendes (wie Fernseher oder Spielzeug) gestaltet sein, damit das Kind sich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Wichtig sind auch die Pausen zwischendrin! Ein Kind kann sich ungefähr doppelt so viele Minuten konzentrieren, wie es Jahre alt ist. Danach sollte es eine Pause machen.

🌟Kinder beschäftigen sich länger mit Aufgaben, die sie interessant und spannend finden. Versuch gemeinsam mit deinem Kind in jedem Schulthema etwas Spannendes zu entdecken 😉 denn dann fällt es gleich leichter.
Leider ist eine individuelle Betreuung in unserem Schulsystem nicht möglich. Das ist sehr schade, denn darin liegt viel Potenzial. Oft sind diese Kinder hochintelligent und könnten im Liegen (mit einer größeren Unterstützungsfläche) Aufgaben viel besser und schneller erledigen, als wenn sie am Tisch sitzen müssen. TIPP!!!

L wie Lageasymmetrie

Was ist eine Lageasymmetrie?
✴️ Anzeichen
✴️ Ursachen
✴️ Folgen
✴️ Erste Hilfe

M wie Mutter-Kind-Pass

Letzte Woche ging es um die Lageasymmetrie, die oft mit einem abgeflachten Hinterkopf einhergeht und das Thema heut passt gut dazu.
Der Mutter-Kind-Pass dient der gesundheitlichen Vorsorge für Schwangere und Kleinkinder. Er beinhaltet ärztlichen Untersuchungen
während der Schwangerschaft und bis zum 5. Lebensjahr des Kindes.

😡 Ich ärgere mich immer wieder sehr über eine Sache im Mutter-Kind-Pass. Und das ist das passive Sitzen um die 6 Monate herum. Ich verstehe die Notwendigkeit dieses Tests nicht, außer, dass es die Eltern sehr verunsichert. Sie gehen dann nach Hause und üben mit ihrem Kind das Sitzen. Aber die wenigsten Babys können mit 6 Monaten sitzen. Das passive Hinsetzen ist ein massiver Eingriff in die motorische Entwicklung und sollte unbedingt vermieden werden. Ich würde mich freuen, wenn diese Tabelle erneuert werden würde.

🍀 Ich wünsche mir als Kinderphysiotherapeutin einen Platz im Mutter-Kind-Pass. Warum? Weil ich glaube, dass wir vielen Kindern einige Probleme im Jugendalter ersparen könnten, wenn Auffälligkeiten früher behandelt werden könnten. Ein guter Zeitpunkt für die Vorstellung in der Kinder-Praxis wäre z. B. um den 3. Monat herum und dann vielleicht noch mal im Kindergarten-Alter.

N wie Narben(entstörung)

Narben begegnen mir in der Therapie mit den Kindern häufiger als du vielleicht glaubst. Je nach Größe und Alter haben sie für mich eine sehr hohe Priorität in der Behandlung.
Ich merke immer wieder, dass eine Entspannung des Narbengewebes eine sehr gute Voraussetzung für weitere Übungen und Bewegungsabläufe schafft.

Oft höre ich:
🔎 „Es ist alles gut verheilt, da mach ich nichts mehr“
🔎 „Sie macht keine Probleme, deshalb habe ich mich nie damit beschäftigt.“
🔎 „Am Anfang habe ich sie eingeschmiert, aber jetzt schaut sie ja gut aus.“

Es mag so aussehen, als würde eine Narbe keine Probleme machen, aber Narbengewebe ist in der Regel fester, verklebter, weniger durchblutet und nicht mehr so elastisch wie das ursprüngliche Gewebe. Viele Menschen beschreiben auch ein Taubheitsgefühl oder andere Empfindungsstörungen im Bereich der Narbe.

Wenn man einmal gesehen hat, wie ein Kind (Narbe über den gesamten Rücken nach einer Skoliose-OP) reagiert, wenn man diese Narbe behandelt, dann kann man die Wichtigkeit der Narbenbehandlung nachvollziehen. Es kann endlich wieder AUFATMEN.
Letztens hatte ich kleines Mädchen (6 Monate) nach einer Herz-OP in Behandlung. Ihre Narbe zieht sich über den gesamten vorderen Brustkorb und schränkt die Atmung enorm ein. Wie soll sie in Bauchlage gut stützen lernen, wenn vorn der ganze Brustbereich „zusammengezogen“ wird? Ich muss also nicht zuerst mit ihr die Bauchlage üben, sondern ihre Narbe entstören und dann kann sie sich am Bauch von ganz allein schon viel besser bewegen.
Eine andere kleine Patientin hat nach einer Sondenentfernung (über die sie jahrelang ernährt wurde) eine Narbe am Bauch im Bereich des Magens. Sie ist zurzeit noch sehr eingezogen und braucht sicher noch einiges an Zuwendung. Aber die Mama kann das auch gut zu Hause selber machen.

🔥 Eine Behandlung ist jeweils sehr wichtig, denn eine Narbe ist ein Störfeld und kann zum Spannungsfeld werden bis hin zu Bewegungseinschränkungen.

O wie O-Beine

Ein Baby kommt mit O-Beinen zur Welt. Diese anfängliche O-Stellung der Beine lässt sich leicht erklären: in der Gebärmutter hat es zu wenig Platz. Der Fetus muss seine Lage der kugeligen Form der Gebärmutter anpassen.

🦵 O-Beine sind bis zum Alter von ca. 2 Jahren ganz normal.
Meist entwickeln sich dann X-Beine.
Dabei handelt es sich, in den meisten Fällen, um eine ganz normale Entwicklung der Beinachsen deines Kindes.

Im Grundschulalter haben dann fast alle Kinder gerade Beine. Für die gesunde Entwicklung der Beinachsen ist Bewegung unerlässlich: laufen, springen, krabbeln – das macht eine gute Knochen- und Muskelentwicklung möglich.

❗️Sollte dein Kind nach dem 7. Lebensjahr noch immer keine geraden Beine haben, dann ist eine Vorstellung beim Kinderorthopäden sinnvoll.

👉 Wann empfehle ich Therapie?

✳️ wenn ein Fuß bzw. Bein anders ausschaut als das andere
✳️ wenn ein extremer Innenrotationsgang sichtbar ist und das Kind ständig über die eigenen Füße fällt
✳️ wenn das Kind auch im Schulalter nur im W-Sitz sitzt und gleichzeitig aber kein Schneidersitz möglich ist

P wie Psychosomatik

Die Psychosomatik beschäftigt sich mit der Wechselwirkung von Körper, Geist und Seele. Sie untersucht, wie sich psychische Einflüsse auf den Körper auswirken und wie körperliche Erkrankungen psychische Prozesse beeinflussen.

Bei Kindern und Jugendlichen findet man die Psychosomatik oft in Form von seelischen Erkrankungen, die körperliche Auswirkungen haben: wie z.B. Essstörungen. Bei Kindern sind Bauchschmerzen oft ein Zeichen, dass es zu beachten gilt. Denn auch in der Traumatherapie liest man immer wieder von Bauchschmerzen als ein Symptom.

✳️ Bauchschmerzen als Schrei nach Aufmerksamkeit
✳️ Hauterkrankung als Schutzwall vor der Umwelt
✳️ Magersucht oder Übergewicht als Schrei nach Liebe und Zuneigung
✳️ Rückenschmerzen bei materieller und gefühlsmäßiger Unsicherheit
✳️ Rundrücken wegen zu viel Last auf den Schultern

Werden z. B. seelische Überlastungen nicht ausgeglichen, kann es zu Erkrankungen oder Funktionsstörungen von Organen kommen. Dann läuft man von einem Arzt zum nächsten und keiner findet etwas, weil ja meist anatomisch alles in Ordnung ist. Dann gilt es eher die Psyche anzuschauen und somit die körperlichen Symptome zu heilen. 🌞❤️🧡💛💚💙💜

Q wie Q&A - 3 oft gestellte Fragen in der Praxis

1️⃣ Ab wann darf ich mein Kind in den Hochstuhl setzen?

Auf vielen im Handel erhältlichen Hochstühlen steht „Gebrauch ab 6 Monate“. Das finde ich nicht gut, denn die wenigsten Kinder können mit 6 Monaten schon allein sitzen. Für mich ist aber der freie Sitz (also das sich das Kind allein vom Boden aufsetzen kann) die Voraussetzung für das Sitzen im Hochstuhl. Wenn es für die Beikost doch schon vorher nötig ist, sollte das Kind gut gehalten am Schoß sitzen, da die Wippe keine Alternative ist und die Babys sich dort leicht verschlucken können.

2️⃣ Welches Spielzeug ist das Beste für mein Baby?

Bis zum 3. Monat braucht dein Baby kein Spielzeug, denn es kann eh noch nicht danach greifen. Danach gilt meiner Meinung nach: „Weniger ist mehr“. Für Babys tut es meist die Feuchttuchpackung oder der Schlüsselbund – da braucht es kein teures Spielzeug.
Es ist immer so schön zu beobachten, wie die Babys ihren eigenen Körper entdecken und erkunden – aber dafür müssen sie auch Zeit und Gelegenheit haben.

3️⃣ Was muss ich bei den ersten Schuhen beachten?

Die ersten Schuhe sollte dein Kind erst bekommen (bzw. an seinen Füßen haben), wenn es draußen gehen kann. Schuhe sind Schmutzabweiser, keine Lauflernhilfe. Ein gesunder Kinderfuß braucht keine Stütze und keinen extra Halt. Bevor Kinder allein laufen können, sind Schuhe ein Hindernis für die Bewegungsentwicklung, denn Krabbeln mit Schuhen ist z. B. nicht optimal.
Kinderschuhe sollten ganz weich und beweglich sein. Man muss sie bis zur Ferse zusammenrollen können wie einen Palatschinken (oft geht das nur vorn), sie in alle Richtungen verbiegen und verwringen können.
Ich werde das Thema noch ausführlicher in der Woche vom S vom 🔤behandeln.

R wie Rectusdiastase

Die Rectusdiastase tritt bei Neugeborenen und Säuglingen angeblich nur selten auf, aber ich sehe sie sehr häufig in der Praxis.

✳️ Die Rectusdiastase ist der medizinische Fachbegriff für ein zu weites Auseinanderstehen der geraden Bauchmuskelstränge. Durch die Lücke entsteht eine Vorwölbung des Bauches. Bei Neugeborenen sollte sich die Rectusdiastase bis zum Gehalter zurückbilden.

Ich sehe sie in meiner Praxis aber nicht nur bei Babys im 1. Lebensjahr, sondern auch sehr häufig bei Schulkindern, die wegen schlechter Haltung oder Knick-Senk-Füßen zu mir in die Therapie kommen.

😡 In Eltern-Foren habe ich Beiträge gelesen, in denen Ärzte schreiben, dass man da überhaupt nichts tun muss und dass die Physiotherapeuten den Eltern nur das Geld aus der Tasche ziehen wollen, wenn sie da Therapie empfehlen.

Eine dauerhafte Schwächung der Bauchmuskulatur (durch den Spalt) zieht eine Überlastung der Rückenmuskulatur nach sich und wird über kurz oder lang zu Problemen und vor allem zu Schmerzen führen.
Deshalb empfehle ich auf jeden Fall eine Vorstellung bei einer Kindertherapeutin, wenn dir das bei deinem Kind auffällt.

S wie Schuhe

Wann braucht mein Kind Schuhe? Und was muss ich beim Kaufen beachten? Das sind Fragen, die ich in der Therapie häufig gestellt bekomme.

Wenn du mit den Schuhen die "Kunststücke" wie auf den Bildern machen kannst, dann erfüllen sie schon mal wichtige Kriterien 😉 (Es muss gar nicht immer ein teurer Barfußschuh sein)

Denn was ein Kinderschuh auf keinen Fall können muss:
🙈 beim Laufen lernen helfen
🙉 den Fuß stützen und stabilisieren
🙊 das Kind schneller zum Laufen bringen

Schuhe sollten erst zum Einsatz kommen, wenn das Kind draußen längere Strecken ganz allein geht. Die Schuhe sind dabei Schmutzabweiser und Verletzungsschutz - nicht mehr und nicht weniger.

Was sollen gute Schuhe haben/ können:
👍 die Sohle soll schön weich und beweglich sein
👍 keinen versteckten Absatz
👍 genügend Raum für die Zehen
👍 sollen nicht zu groß und nicht zu klein sein (Kinder spüren nicht, wenn sie zu kleine Schuhe anhaben)

Was für Kinderschuhe gilt, sollten sich auch Erwachsene zu Herzen nehmen, denn Fuß- und Zehenfehlstellungen sind in unserer Gesellschaft sehr verbreitet.

T wie Trauma

Viele von euch verbinden das Wort Trauma wahrscheinlich mit einem Knochenbruch oder einem Unfall, bei dem man sich wehtut. Da ist die Verletzung dann ganz offensichtlich und man weiß gleich, mit welcher Operationsmethode oder Schonfrist man das wieder richten kann.

Ich spreche aber eher von der Art von Trauma, bei dem man (zuerst) kaum körperlichen Probleme oder Symptome sieht. Da zeigen sich dann eher psychische Auffälligkeiten:
🔆 (übertriebene) Ängste
🔆 Verhaltensauffälligkeiten/ Tics
🔆 vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstzweifel
🔆 Entwicklungsverzögerungen

Mögliche Ursachen können z. B. sein:
ein Schlag auf den Bauch in der Schwangerschaft
psychische Belastung der Mama in der Schwangerschaft
die Geburt ist sehr oft eine traumatische Erfahrung für Mutter und Kind
Trennung der Eltern oder Tod eines geliebten Menschen
negative Einstellung zum Thema Essen oder Gewicht
mit Druck und Zwang essen
wenn das Kind allein aufwacht nach Operationen oder Untersuchungen

👉 Oft treten die Probleme und Symptome erst lange nach dem eigentlichen Ereignis auf und lassen sich, auf den ersten Blick, gar nicht mehr damit in Verbindung bringen.

Ich sehe in der Praxis häufig Kinder mit auffälligem Verhalten – sie kommen wegen ganz anderen Diagnosen zu mir in die Praxis. Viele Kinder haben eine sehr schlechte Haltung (möchten sich am liebsten verstecken) und dann berichten die Eltern z.B. von Mobbing in der Schule.

✴️ Ich versuche immer das Kind und das gesamte Umfeld als EINS zu sehen und Dinge zu hinterfragen. Eine Verbesserung der Haltung ist nur von Dauer, wenn auch die psychischen Probleme und deren Ursachen angeschaut werden.

Wir sollten immer gut nachdenken, was wir zu Kindern oder in deren Gegenwart sagen, denn auch Worte können eine extreme Wirkung auf Kinder haben.

U wie Umfeld

Das Umfeld kann ja vieles sein:
✴️das Setting innerhalb der Therapie – das entsteht bei mir meistens erst wenn, die Kinder kommen und entscheiden, was sie an dem Tag gern machen wollen 😉
✴️ das Familienumfeld
✴️ das gesellschaftliche Umfeld usw.

Ich habe letzte Woche vom Trauma erzählt und das ich glaube, dass das beste Ergebnis dann möglich ist, wenn alle gut zusammenarbeiten. Das ist für mich ein wichtiger Schlüssel. Es sollte ein Miteinander sein und kein Gegeneinander.

Manchmal fällt mir auf, dass meine Tipps und Ratschläge überhaupt nicht umgesetzt bzw. (gefühlt) nicht mal darüber nachgedacht wird. Das hat mich früher oft geärgert. Jetzt versuche ich da aktiv nachzuhaken und zu schauen, woran es liegt und was Alternativen sein könnten.

Denn in 45min einmal pro Woche kann man sehr viel verändern, aber es geht vor allem um die längerfristige Umsetzung.

💙 Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass das in der täglichen Routine nicht immer einfach ist.

Erst letztens konnte ich zum Glück in der letzten Einheit den Papa noch vom Pezziball als Sitz- und Übungsgerät "überzeugen". Vor allem, weil der Junge die vorherigen Einheiten immer zuerst die Ballübungen machen wollte. Wenn ein Kind freiwillig etwas machen will, dann nutze ich das doch sehr gern auch für zu Hause.

👉 Denn vor allem bei den Haltungskindern geht es nicht darum jeden Tag 30 min Übungen zu machen, sondern etwas zu finden, was sie gern regelmäßig machen – um damit die Haltung dauerhaft zu verbessern. Und einfach ein bisschen mehr Variation in den Alltag zu bringen.

Frei nach dem Motto: „Die beste Sitzposition ist die nächste.“

💚 Ich liebe den Pezziball und empfehle ihn gern an die Eltern weiter 😉

V wie Vielfalt

Ich liebe die Vielfalt meiner Kinder in der Praxis und die Vielfalt meiner Möglichkeiten aus den verschiedenen Fortbildungen der letzten Jahre.

✴️ Das war nicht immer so: als ich nach der Wende 1989 im Supermarkt vor dem Regal stand, hat mich die Vielfalt sehr verstört 😉 plötzlich gab es 20 Marken vom selben Produkt. Ich war am Anfang heillos überfordert.

Inzwischen liebe ich die Vielfalt 😉 💛🧡❤️💜💙💚, denn so kann ich ganz individuell und spontan auf jedes Kind, aber auch auf die Eltern, reagieren und eingehen.

ℹ️ Für mich gibt es nicht DIE EINE Methode, die für alle funktioniert, sondern für mich macht es genau die Mischung aus all den verschiedenen Methoden aus.
Das zeichnet mich und meine Arbeit aus 😊

Also wer Vielfalt 💛🧡❤️💜💙💚 sucht, ist bei mir genau richtig 😉

W wie W-Sitz

✴️ Warum sitzen Kinder im W-Sitz?
* sie haben so eine breitere Unterstützungsfläche
* sie müssen sich so nicht zu sehr anstrengen, während sie spielen
❗️Sitzt ein Kind IMMER NUR im W-Sitz und zeigt keine anderen Sitzpositionen, kann die Rumpfstabilität ein Thema sein.
✴️ Warum ist der W-Sitz ein Problem?
* die Position verhindert die Rotation im Rumpf, sodass die Kinder auch
keine Gewichtsverlagerungen machen
* das wirkt sich negativ auf die Gleichgewichtsreaktionen und das
Überkreuzen der Mittellinie aus
❗️Wichtig ist dabei auch, dass der Schneidersitz als Gegenbewegung problemlos möglich ist.
✴️ Was kannst du tun, wenn dein Kind immer nur im W-Sitz sitzt?
Vielleicht ist es möglich, ein bisschen mehr Variation ins Sitzen zu bekommen. Es gibt einen tollen Satz: „Die beste Sitzposition ist immer die nächste.“ (das gilt übrigens auch für Erwachsene 😉)
Wenn das schwer möglich ist, dann ist es manchmal besser das Kind öfter an einen Kindertisch zu setzen, denn dann kommt es zu einer besseren Aufrichtung.
Wichtig ist, dass die Füße dabei am Boden stehen oder beim TrippTrapp auf der unteren Stufe.
✴️ Mögliche Alternativen zum W-Sitz?
* Schneidersitz
* Seitsitz
* Langsitz
* Fersensitz

X wie X-Beine

X-Beine sind eine Abweichung der Beinachsen, die meistens bei Kindern im Alter zwischen 2 und 5 Jahren sichtbar ist. Man sieht es vor allem bei Kindern, die sehr groß sind für ihr Alter. Der Knöchelabstand kann dabei bis zu 7cm betragen.
🍀 Es besteht meist kein Handlungsbedarf, solange keine Asymmetrie (Unterschied zwischen rechtem und linken Bein) sichtbar ist. Bei physiologischen (normalen) X-Beinen sind immer beide Beine betroffen.
Bis zum Schuleintritt kommt es bei der Mehrzahl der Kinder zur Begradigung der Beinachsen.
👉 Bei übergewichtigen Kindern bleiben die X-Beine meist bestehen. Dann ist zuerst eine Gewichtsreduktion sinnvoll, da es sonst auf Dauer zu einer Überlastung oder besser einseitigen Belastung der Gelenke kommt. Einlagen sind in diesem Fall keine Option.

Y wie Yoga für Kinder

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